Moment mal

Meinungsforscher haben versucht, die Lebenszufriedenheit in verschiedenen europäischen Ländern zu vergleichen und so herauszufinden, wie es um das Glücklichsein im internationalen Vergleich bestellt ist. Dazu beobachteten sie die Passanten in den Fußgängerzonen, notierten deren freundliche bis mürrische Mimik und ihre Laufgeschwindigkeit. Eine beschwingte Gangart galt als Indiz für eine positive Lebenseinstellung, während als eher pessimistisch eingeschätzt wurde, wer entweder gehetzt daher kam oder gequält vorbeischlurfte.
Ob das die rechte Methode ist, dem Lebensglück auf die Spur zu kommen, sei dahin gestellt. Originell ist sie schon.

Man könnte auch zusätzlich messen (und hat das sicher schon getan), wie viele Kinderwagen und Rollstühle über die Marktplätze geschoben werden, ob miteinander geredet und gestikuliert oder geschwiegen und nach unten auf den Boden gestarrt wird. In der besagten Untersuchung schnitten übrigens nicht, wie vorher erwartet, die Südländer besonders gut ab, sondern die Schweizer.Glück ist trotzdem mehr, als sich auf fröhlichen Gesichtern oder am geschwinden Schritt ablesen lässt. Der griechische Philosoph Aristoteles fand schon 350 Jahre vor Christus heraus, dass es sich erst dann richtig einstellt, wenn der Mensch das konsequent tut, was er als wertvoll erkannt hat. Glück, so meinte er, falle uns nicht in den Schoß, sondern müsse man sich verdienen. So wie man ein guter Architekt erst mit der Zeit wird, wenn man immer schönere und zweckmäßigere Häuser baut, oder ein Musiker, wenn man beständig übt und spielt, so werde man ein glücklicher Mensch, wenn man sich darin übt, das Richtiges zu tun, und deshalb mit sich selbst im Reinen ist.
So gesehen kann jemand gar nicht fröhlich pfeifend daherkommen, weil er vielleicht viel Verantwortung trägt oder eine schwere Prüfung vor sich sieht, und trotzdem ist er ein glücklicher Mensch.




Themen dieser Meldung:


Hinterlassen Sie eine Antwort

Deine Email-Adresse wird niemals veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.