Kues: Höchste Anerkennung für Ihre Arbeit
Kolpinghaus in Nordhorn bietet hilfsbedürftigen Männern eine Bleibe
Nordhorn- „Dieses Haus ist mit seinen Mitarbeitern ganz nahe an der Wurzel der Idee Adolf Kolpings. Ich ziehe vor Ihnen mit höchster Anerkennung den Hut“, so der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Hermann Kues während eines Besuchs des Nordhorner Kolpinghauses. Kues, selber Kolpingmitglied, und als solches auch eingeladen, zeigte sich angesichts der Lebensläufe vieler Menschen, denen in der Einrichtung geholfen wird, sichtlich berührt: „Mir schnürt es bei einigen Schicksalen fast die Kehle zu“, bekannte er.
Das in den 30er Jahren von Kolpingsöhnen erbaute Haus war bis 1963 Unterkunft für wandernde Handwerksburschen und Gastarbeiter der Nordhorner Textilindustrie. Seitdem ist es ein Wohnheim für obdachlose alleinstehende Männer mit besonderen sozialen Schwierigkeiten sowie Personen mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen. Getragen wird die von Pfarrer Menkhaus gegründete und derzeit von dem Dipl.-Sozialpädagogen Bruno Reinders geleitete Einrichtung von den Nordhorner Kolpingsfamilien Zentral und St. Marien. Verantwortlich zeichnen die Mitgliederversammlung der beiden Kolpingsfamilien sowie je ein Vertreter des Verbandes der Kolpinghäuser und des Diözesanverbandes Osnabrück. Wie der Vorsitzende des Trägervereins Kolpinghaus e. V. Heinz Stockhorst und Präses Pfarrer Martin Drobny erklärten, beherbergt das Haus zurzeit 81 Männer. „Zum großen Teil Menschen, die bereits viele Einrichtungen durchlaufen sind und nicht in der Lage sind, ohne Begleitung ihr Leben zu gestalten“, ergänzte Bruno Reinders. Man versuche auch, sie einer regelmäßigen Tätigkeit zuzuführen. Für eine Integration in den ersten Arbeitsmarkt fehlten allerdings in der Regel die Voraussetzungen. „Hinter jedem Gesicht verbirgt sich ein menschliches Schicksal, was einem oft tagelang nicht aus dem Kopf gehen will“, sagte Pfarrer Martin Drobny. Bruno Reinders wurde konkret: „Viele zeigen Persönlichkeitsstörungen mit psychischen und physischen Erkrankungen, die oft auf den Gebrauch von Suchtmitteln zurückgehen, Motivations- und Orientierungslosigkeit und aggressives Verhalten. Hinzu kommen Straffälligkeiten, die sie hindern, ein ordentliches Leben in der Gemeinschaft zu führen. Manche sind durch Beziehungskrisen, Schicksalsschläge und starke Verschuldung aus der Bahn geworfen worden.“ Sorge bereite die starke Zunahme jüngerer gestrandeter Menschen, erklärte der stellvertretende Vorsitzende des Trägervereins Gerd Gerdes. Die Finanzierung der Heimplätze wird aus Eigenmitteln der Bewohner (Rente, Arbeitslosengeld, Sozialhilfe oder sonstige Einkünfte) bestritten, was, so Stockhorst, oft nicht ausreiche, um den Bedarf und den gesetzlichen Anspruch auf Taschengeld abzudecken. Immerhin seien im Haus 23 Mitarbeiter, davon acht in Vollzeit, tätig. Da sei es schon segensreich, auf viele Ehrenamtliche, die Unterstützung durch Stadt und Landkreis und vieler Vereine, Einrichtungen und Dienste bauen zu können.
