Hinter den Kulissen der Macht

Meldung vom 6. Juli 2010

Helga und Friedhelm Müller erkunden das Regierungsviertel in Berlin

Ihren ersten Berlin-Besuch werden Helga und Friedhelm Müller aus Veldhausen so schnell nicht vergessen. Das Ehepaar hat beim GN-Sommertraum „Im Zentrum der Macht“ mit dem CDU-Politiker Hermann Kues einen Blick hinter die Kulissen des politischen Berlin geworfen – und war sogar der Kanzlerin ganz nah. Vier, fünf Fotografen laufen rückwärts durch den Eingang der Französischen Friedrichstadtkirche am Gendarmenmarkt in Berlin. Sie lassen ein Blitzlichtgewitter aufziehen. Bundeskanzlerin Angela Merkel betritt das Gotteshaus. Sie trägt einen violetten Blazer und eilt freundlich lächelnd durch den Mittelgang in die erste Reihe. Händeschütteln mit Nikolaus Schneider, dem Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und Nachfolger von Margot Käßmann. Die EKD hat zum jährlichen Johannisempfang eingeladen, mit dem sie an die Geburt Johannes des Täufers erinnert – ein gesellschaftliches Ereignis, das immer viele Spitzenpolitiker anlockt. „Jetzt sind wir das erste Mal in Berlin und sehen gleich die Kanzlerin“, entfährt es Helga Müller aus Veldhausen. Sie hat den GN-Sommertraum „Im Zentrum der Macht“ gewonnen und begleitet mit ihrem Mann Friedhelm einen Tag lang Hermann Kues durch das Regierungsviertel in Berlin. Die EKD hat den CDU-Bundestagsabgeordneten und Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesfamilienministerium zum Johannisempfang eingeladen – und der Lingener nimmt das Ehepaar Müller am frühen Abend kurzerhand mit.

Die erste Begegnung mit Hermann Kues liegt sechs Stunden zurück. Helga und Friedhelm Müller stehen im Abgeordnetenbüro des Politikers im Jakob-Kaiser-Haus. Torsten Tietz, der sich für Hermann Kues um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert, geht mit den Veldhausern gerade den Terminkalender des Chefs durch, als dieser plötzlich auftaucht – und zwar auf dem Flachbildschirm vor dem Schreibtisch. Im Parlamentsfernsehen ist zu sehen, wie der Emsländer auf der Regierungsbank im Reichstag Platz nimmt und als Vertreter von Ministerin Kristina Schröder (CDU) Fragen der Abgeordneten beantwortet. „Ich wusste gar nicht, dass der so ein hohes Tier ist“, sagt Friedhelm Müller. Torsten Tietz führt das Ehepaar durch die Parlamentsgebäude. Vom Dach des Jakob-Kaiser-Hauses verschafft man sich zuerst einen Überblick. Anschließend geht es durch unterirdische Flure ins Paul-Löbe-Haus mit seinen vielen Ausschussräumen und in den Reichstag. Als Helga und Friedhelm Müller auf der Besuchertribüne Platz nehmen, steht Hermann Kues gerade auf und geht. Egal. Die Niedergrafschafter bleiben eine halbe Stunde. „Das kennt man sonst nur aus der Tagesschau“, flüstert Helga Müller und lässt ihren Blick durch den Saal und über den Bundesadler schweifen. Im Plenum sitzen knapp 30 Politiker, Platz wäre für viel mehr – gerade heute: Im Saal stehen noch die Stühle der Bundesversammlung, die hier am Tag zuvor Christian Wulff zum Bundespräsidenten gewählt hat.

Auf einer Terrasse des Bundestags trifft das Ehepaar Müller dann Hermann Kues persönlich. Bei einem Stück Kuchen ist Zeit für einen kleinen Rundumschlag: Euro, Wirtschaft, Globalisierung, Familie, Kirche, Ethik – und natürlich geht es auch um die Wulff-Wahl. „Ich bin immer noch fix und fertig“, gibt Hermann Kues zu. Er habe ja mit einer Entscheidung im ersten Wahlgang gerechnet – und nicht mit einem Neun-Stunden-Krimi. Nach der dann doch noch geglückten Wahl habe das Staatsoberhaupt ihn und andere Weggefährten noch zu einer Feier eingeladen. Von einem rauschenden Fest habe aber keine Rede sein können. „Ich habe anschließend auch schlecht geschlafen“, sagt Kues.

Als Helga und Friedhelm Müller das Café verlassen, kommt ihnen der frühere Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) entgegen – immer noch von Personenschützern umgeben. Es geht wieder in den Reichstag, diesmal aufs Dach. Ein Besuch der Kuppel ist ein fester Bestandteil jeder Führung – ganz gleich, ob vor oder hinter den Kulissen. Eine Etage tiefer, in der Presselobby auf der Fraktionsebene, richten Bundestagspräsident Norbert Lammert und Christoph Markschies, Präsident der Humboldt-Universität zu Berlin, gerade einen Empfang für 114 Parlamentsstipendiaten aus. Müllers mischen sich kurz unters Volk, dann geht es weiter ins Familienministerium.

Das zweite Büro von Hermann Kues liegt etwa einen Kilometer vom Reichstag entfernt in der Glinkastraße. Dort arbeitet er nicht als Politiker, sondern als Parlamentarischer Staatssekretär, im Regierungsjargon PSt genannt. Es ist halb sechs, als Helga und Friedhelm Müller eintreffen. Die meisten Büros sind schon leer. Und auch der Emsländer arbeitet noch rasch die letzten Akten des Tages weg. Dann bringt ihn sein Fahrer August Menke aus Thuine mit dem VW Phaeton zum Gendarmenmarkt. Das Gelände ist mit Gittern abgesperrt. Hermann Kues schleust das Ehepaar Müller durch den Eingang. Niemand fragt nach einer Einladung, wenn der PSt munter durchwinkt.

Die Veldhauser laufen die Treppe zum Kircheneingang hinauf – und stoßen fast mit Joachim Gauck zusammen. Als Prälat Bernhard Felmberg, Bevollmächtigter des EKD-Rats und Gastgeber des Johannisempfangs, den Bundespräsidentschaftskandidaten von SPD und Grünen kurz darauf namentlich begrüßt, erhält dieser mehr Applaus als die Bundeskanzlerin. In der ersten Reihe haben es sich außerdem SPD-Chef Sigmar Gabriel, SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier, Bundesinnenminister Thomas de Maiziere und Bundesbildungsministerin Annette Schavan (beide CDU) bequem gemacht. Helga und Friedhelm Müller wissen gar nicht, wo sie zuerst hinschauen sollen. Nach dem Festakt gönnen sich die beiden vor der Kirche ein Glas Rotwein und Hermann Kues bittet Margot Käßmann dazu – für ein Erinnerungsfoto.

Quelle: Andre Berends, Grafschafter Nachrichten 6.7.2010




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